
Klares Signal für das Haus – und für eine ergebnisoffene Prüfung aller Varianten
Die Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS) hat im Zeitraum vom 17. April bis 5. Mai 2026
eine Bürgerumfrage zur Zukunft des Theater- und Konzerthauses (TuK) durchgeführt.
Insgesamt haben 497 Bürgerinnen und Bürger teilgenommen – ein deutliches Zeichen
dafür, welche Bedeutung dieses Thema für die Solinger Stadtgesellschaft hat.
Trotz der sehr klar erkennbaren emotionalen Bindung vieler Menschen an das
bestehende Haus und den Standort ergibt sich aus den Rückmeldungen ein ebenso
deutliches politisches Fazit:
Bevor eine Entscheidung getroffen wird, müssen alle Varianten – Sanierung, Erhalt am
Standort, Neubau, Verlagerung, Kombinationsmodelle – transparent, vergleichbar und
ergebnisoffen geprüft werden.
1. Hohe emotionale, kulturelle und stadtbildprägende Bedeutung
In den Freitext-Antworten zeigt sich sehr deutlich:
• Das Theater- und Konzerthaus wird als zentrales Kulturgut der Stadt
wahrgenommen – viele sprechen von einem „Kulturtempel“, „Wahrzeichen“ oder
„Palast der Kultur“.
• Es ist für viele Bürgerinnen und Bürger mit persönlichen Erinnerungen verbunden
– Schultheater, Auftritte von Vereinen, Konzerte, Ballett, Vereinsveranstaltungen.
• Der Standort am Schlagbaum wird als symbolisch wichtig beschrieben:
o „Eingang zur Innenstadt“, „Visitenkarte der Stadt“, „erhabene Position“
o Beitrag zur Aufwertung der Konrad-Adenauer-Straße und der Innenstadt
• Hervorgehoben werden insbesondere:
o Die überragende Akustik des Konzertsaals
o Die Multifunktionalität mit mehreren Sälen unter einem Dach
o Die Bedeutung als Heimstätte der Bergischen Symphoniker
o Die Rolle als offener Ort für Vereine, Schulen, Tanzstudios und Initiativen,
auch über Solingen hinaus
Viele Befragte betonen, dass ein gleichwertiger Neubau dieser Qualität und
Funktionalität realistisch kaum oder nur mit extrem hohem Aufwand zu erreichen wäre.
2. Deutliche Forderung nach Wirtschaftlichkeit – aber ohne Schnellschüsse
Die Bürgerinnen und Bürger sind sich der prekären Finanzlage der Stadt bewusst.
Entsprechend oft fallen Begriffe wie:
• Wirtschaftlichkeit
• Kosten-Nutzen-Verhältnis
• keine Geldverschwendung
• Belastung des städtischen Haushalts
Gleichzeitig zeigt sich eine klare Haltung:
• Es darf nicht nur nach „Abriss spart Geld“ entschieden werden.
• Sanierungskosten, Neubaukosten und langfristige Betriebs- und Folgekosten
müssen realistisch und vollständig dargestellt werden.
• Viele warnen vor teuren, wenig belastbaren Gutachten und fordern:
o nachvollziehbare, belastbare Zahlen
o transparente Darlegung der Annahmen
o Einbeziehung von Lebenszykluskosten (Bau, Betrieb, Unterhalt, Energie)
Zahlreiche Rückmeldungen antizipieren, dass ein Neubau „auf der grünen Wiese“ sehr
schnell zu einem finanziellen Abenteuer werden könnte – insbesondere, wenn versucht
würde, die bestehende Qualität (zwei große Säle, gute Technik, gute Akustik) auch nur
annähernd zu erreichen.
3. Standortfrage: Kulturhaus vs. Feuerwache am Schlagbaum
Ein großer Teil der Beiträge bezieht sich auf den Vorschlag, am Standort des Theaters
eine zentrale Feuer- und Rettungswache zu errichten:
• Der Schlagbaum wird von vielen als ungeeigneter Standort für eine große
Feuerwache gesehen:
o bereits heute hohe Verkehrsbelastung
o Staugefahr zu den Hauptverkehrszeiten
o Sorge um Ausrückzeiten und Verkehrssicherheit bei Vorrangschaltungen
• Es gibt zudem Bedenken hinsichtlich der Lebensqualität in unmittelbarer
Nachbarschaft:
o Nähe zu einem Altenheim, Lärmbelastung bei Einsätzen
o negative Auswirkungen auf Hotelstandort und Umgebung
Gleichzeitig ist den Befragten bewusst, dass der Feuerwehr eine zentrale Bedeutung für
Sicherheit und Daseinsvorsorge zukommt. Einige Stimmen betonen ausdrücklich:
• Zusammenlegung und Modernisierung von Wachen kann langfristig
wirtschaftlich sinnvoll sein.
• Eine Kombination von Feuerwehrneubau und neuer Kulturstätte an anderem
Standort sei grundsätzlich denkbar – aber:
o nur auf Basis realistischer Konzepte
o mit städtebaulicher Einbindung
o und nach sorgfältiger Prüfung, ob die Anforderungen beider Bereiche
tatsächlich erfüllt werden können.
Viele Vorschläge sehen Alternativstandorte für eine neue Feuerwache (z.B. Omega-
Gelände) als politisch sinnvoller an, anstatt einen gewachsenen Kulturstandort im
Eingangsbereich der Innenstadt aufzugeben.
4. Konzept, Programm und Nutzung: Kultur für alle statt Nischenangebot
In den Antworten zu gewünschten Funktionen und persönlichen Prioritäten zeigen sich
mehrere Leitlinien:
• Das Theater- und Konzerthaus soll ein Ort für alle Generationen und
Einkommensgruppen sein:
o Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien
o Tanz, Musicals, Comedy, Kabarett, Konzerte aller Genres (Rock, Pop,
Metal, Klassik)
o Messen, Märkte, Flohmärkte, Vereinsveranstaltungen, Lesungen,
Kleinkunst
• Barrierefreiheit und gute Erreichbarkeit (ÖPNV, Parkplätze) werden ausdrücklich
Gefordert.
• Kritisch angemerkt wird, dass das aktuelle Angebot häufig eher ältere
Zielgruppen anspricht; gewünscht werden:
o mehr Events für junge Menschen
o niedrigere Eintrittspreise bzw. bezahlbare Formate
Viele Beiträge machen deutlich:
Ein reiner Elitenort für einige wenige wird abgelehnt – ein vielseitig genutztes Haus mit
breitem Programmangebot wird ausdrücklich gewünscht.
5. Transparenz, Bürgerbeteiligung und Vertrauen in die Politik
Ein besonders starkes und wiederkehrendes Motiv ist der Wunsch nach einem fairen,
offenen und verständlichen Verfahren:
• Viele Bürgerinnen und Bürger fordern:
o Transparente Entscheidungsgrundlagen
o Offene Darstellung aller Varianten (Sanierung, Neubau, Verlagerung,
Kombinationsmodelle)
o Vermeidung von „Schnellschüssen“ und ideologischen Lagerkämpfen
• Hervorgehoben werden:
o der Bedarf an ehrlicher Kommunikation über Kosten, Risiken und
Chancen
o der Wunsch nach echter Bürgerbeteiligung, nicht nur symbolischen
Befragungen
o Skepsis gegenüber weiteren Gutachten, wenn diese ohne politische
Konsequenz bleiben
Die Umfrage zeigt eindrücklich, dass das Vertrauen in politische Prozesse unter Druck
steht. Umso deutlicher ist die Botschaft:
Die Entscheidung zur Zukunft des Theater- und Konzerthauses muss auf Grundlage
geprüfter Zahlen, unabhängiger Bewertungen und eines ehrlichen Vergleichs aller
Optionen getroffen werden – und zwar sichtbar, nachvollziehbar und unter Beteiligung
der Bürgerschaft.
Politischer Tenor der BfS:
Ergebnisoffene Prüfung aller Varianten ist zwingend erforderlich
Aus Sicht der Bürgergemeinschaft für Solingen lässt sich aus den Umfrageergebnissen
folgendes klare politische Fazit ziehen:
1. Es gibt eine breite, tief verankerte Unterstützung für das Theater- und
Konzerthaus als Kulturort und Gebäude von hoher Qualität und Symbolkraft.
2. Ebenso deutlich ist der Wunsch nach verantwortungsvollem Umgang mit
städtischen Finanzen.
3. Die Frage „Sanierung oder Neubau – und wo?“ ist zu komplex, um sie über
Emotion, Schlagworte oder Einzelinteressen zu entscheiden.
Darum fordert die BfS:
• Keine Vorfestlegung auf Abriss, Sanierung oder Verlagerung.
• Ergebnisoffene Prüfung aller realistischen Varianten, insbesondere:
o Sanierung und Weiterentwicklung am bestehenden Standort
o Varianten eines Neubaus mit realistischer Betrachtung der
Qualitätsverluste bzw. Mehrkosten
o sinnvolle Kombinationen mit anderen städtischen Bedarfen (z.B.
Feuerwehr), jedoch nur bei nachgewiesener Praktikabilität.
• Transparente Gegenüberstellung von:
o Investitionskosten
o langfristigen Betriebs- und Folgekosten
o Auswirkungen auf Stadtbild, Stadtentwicklung und kulturelle Infrastruktur
o verkehrlichen und sicherheitsrelevanten Aspekten (insbesondere bei der
Feuerwehrfrage)
• Verbindliche Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in den weiteren
Entscheidungsprozess – jenseits einzelner Informationsabende.
Die Bürgerumfrage der BfS zeigt:
Die Solingerinnen und Solinger sind bereit, schwierige Abwägungen mitzutragen – wenn
sie fair informiert, ernst genommen und in die Entscheidungsfindung einbezogen
Werden.
Die BfS hat die Ergebnisse der Umfrage dem Oberbürgermeister und den
Ratsfraktionen übergeben und wird sich im weiteren Verfahren konsequent dafür einsetzen,
dass keine Variante aus politischen Reflexen heraus ausgeschlossen oder bevorzugt
wird, sondern dass eine sachliche, transparente und ergebnisoffene Prüfung aller
Optionen zur Grundlage der Entscheidung gemacht wird


