
Ein gemeinsamer Beitrag von Patrick Hinck (Finanzen) und Andreas Mokros (Kultur)
Mit der Entscheidung über die zukünftige Entwicklung des Theater- und Konzerthauses sowie der Feuer- und Rettungswachen steht Solingen vor einer der bedeutendsten Weichenstellungen der kommenden Jahrzehnte. Es geht dabei um weit mehr als um ein einzelnes Gebäude oder einen einzelnen Standort. Es geht um die Frage, wie wir unsere Stadt langfristig gestalten wollen – finanziell, kulturell und städtebaulich.
Als Bürgergemeinschaft für Solingen sehen wir diese Entscheidung weder als einen Wettstreit zwischen Sanierung und Neubau noch als eine Frage von Tradition gegen Moderne. Vielmehr ist sie eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die heute in Solingen leben, ebenso wie gegenüber den kommenden Generationen.
Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen
Nur wenige kommunale Entscheidungen haben eine Tragweite, die über Jahrzehnte hinaus wirkt. Die Zukunft des Theater- und Konzerthauses gehört zweifellos dazu.
Auf der einen Seite stehen Investitionen in einer Größenordnung, die den städtischen Haushalt über viele Jahre beeinflussen werden. Auf der anderen Seite geht es um einen zentralen Bestandteil unserer kulturellen Identität. Das Theater- und Konzerthaus ist Heimat der Bergischen Symphoniker, Veranstaltungsort für Theater, Konzerte, Gastspiele und zahlreiche weitere kulturelle Angebote. Gleichzeitig stellt es einen wichtigen Begegnungsort für Bürgerinnen und Bürger, Vereine und viele gesellschaftliche Gruppen dar.
Deshalb darf diese Entscheidung nicht ausschließlich unter finanziellen oder ausschließlich unter kulturellen Gesichtspunkten betrachtet werden. Beide Perspektiven gehören untrennbar zusammen.
Es gibt nicht den risikolosen Weg
In den vergangenen Monaten wurde häufig darüber diskutiert, ob der Erhalt des bestehenden Hauses oder ein Neubau die bessere Lösung sei. Aus unserer Sicht greift diese Betrachtung jedoch zu kurz. Es ist ein Risiko, ein neues Theater- und Konzerthaus zu errichten. Große Bauprojekte bergen stets Unsicherheiten – hinsichtlich Kosten, Bauzeiten und zukünftiger Entwicklungen. Genauso ist es jedoch ein Risiko, das bestehende Gebäude dauerhaft weiter zu betreiben. Auch hier stellen sich Fragen nach dem baulichen Zustand, der langfristigen Wirtschaftlichkeit, zukünftigen Investitionsbedarfen sowie den funktionalen Möglichkeiten eines Hauses, das aus einer anderen Zeit stammt.
Wer heute behauptet, eine der beiden Lösungen sei vollkommen risikolos, wird der Realität nicht gerecht.
Gerade deshalb dürfen wir uns nicht von Vorfestlegungen oder ideologischen Positionen leiten lassen. Solingen braucht eine Entscheidung, die auf nachvollziehbaren Fakten basiert und nicht auf Wunschdenken.
Eine Machbarkeitsstudie ist der richtige nächste Schritt
Die Bürgergemeinschaft für Solingen unterstützt ausdrücklich die Durchführung einer vertieften Machbarkeitsstudie. Eine Investition dieser Größenordnung verdient eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Wir müssen wissen, welche Chancen und Risiken die jeweiligen Varianten tatsächlich bieten. Dazu gehören nicht nur die bauliche Machbarkeit, sondern ebenso wirtschaftliche, kulturelle und städtebauliche Auswirkungen.
Gleichzeitig erwarten wir, dass dieser Prozess transparent und ergebnisoffen gestaltet wird. Der Rat darf nicht erst am Ende über ein fertiges Gutachten entscheiden. Vielmehr muss die Politik den gesamten Untersuchungsprozess begleiten können.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass der Rat regelmäßig über den Stand der Untersuchungen informiert wird, Zwischenergebnisse offen vorgestellt werden und die Bewertungsmaßstäbe bereits zu Beginn gemeinsam festgelegt werden. Nur so entsteht Vertrauen in den späteren Entscheidungsprozess.
Wirtschaftlichkeit bedeutet mehr als Baukosten
Als finanzpolitischer Sprecher weiß Patrick Hinck, dass sich die Diskussion nicht auf die Höhe einer einmaligen Investition reduzieren darf. Ein Gebäude verursacht nicht nur Baukosten. Entscheidend sind vielmehr die Gesamtkosten über seinen gesamten Lebenszyklus. Dazu gehören Betriebskosten, Energieverbrauch, Wartung, Instandhaltung, Personal und notwendige Modernisierungen. Gerade diese langfristigen Folgekosten entscheiden darüber, ob eine Lösung für die Stadt dauerhaft tragfähig ist. Deshalb erwarten wir, dass sämtliche Varianten nicht nur hinsichtlich ihrer Investitionskosten, sondern auch ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen über mehrere Jahrzehnte miteinander verglichen werden. Denn Verantwortung bedeutet nicht, möglichst wenig Geld auszugeben. Verantwortung bedeutet, das vorhandene Geld nachhaltig und sinnvoll einzusetzen.
Kultur ist mehr als Theater
Aus kultureller Sicht geht es Andreas Mokros um weit mehr als um die Frage, wo künftig Theateraufführungen stattfinden. Ein modernes Theater- und Konzerthaus kann ein Ort der Begegnung sein – für Musik, Theater, Vereine, Schulen, Kulturinitiativen, Kongresse, Tagungen und viele weitere Veranstaltungen. Es kann Menschen zusammenbringen, Kreativität fördern und das gesellschaftliche Leben unserer Stadt bereichern. Gleichzeitig dürfen wir den hohen Stellenwert der Bergischen Symphoniker und der bestehenden kulturellen Angebote nicht aus dem Blick verlieren. Deshalb muss jede untersuchte Variante nicht nur wirtschaftlich, sondern auch hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit bewertet werden.
Feuerwehr und Theater gemeinsam denken
Die Diskussion über das Theater- und Konzerthaus darf zudem nicht losgelöst von der zukünftigen Struktur der Feuer- und Rettungswachen betrachtet werden. Beide Projekte sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich sowohl organisatorisch als auch finanziell.
Sollte sich im weiteren Untersuchungsprozess zeigen, dass eine zentrale Feuer- und Rettungswache langfristig wirtschaftlicher betrieben werden kann und dadurch über Jahrzehnte erhebliche Betriebs- und Unterhaltungskosten eingespart werden, müssen diese Effekte zwingend in die Gesamtbetrachtung einfließen. Eine verantwortungsvolle Entscheidung kann nur getroffen werden, wenn nicht ausschließlich die Investitionskosten einzelner Projekte betrachtet werden, sondern die finanziellen Auswirkungen auf den gesamten städtischen Haushalt über einen langen Zeitraum.
Gerade hierin liegt die Chance einer integrierten Betrachtung: Wenn durch eine zukunftsfähige Gesamtlösung sowohl die öffentliche Sicherheit gestärkt als auch langfristig finanzielle Spielräume geschaffen werden können, entstehen Möglichkeiten, die weit über die eigentlichen Bauprojekte hinausreichen und letztlich allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen.
Wir dürfen diese Entscheidung nicht in einzelnen Projekten denken. Erst das Zusammenspiel von Kultur, Stadtentwicklung, Feuerwehr und Finanzen zeigt, welche Lösung für Solingen langfristig die größte Chance bietet. Gerade deshalb müssen sämtliche Auswirkungen über Jahrzehnte hinweg gemeinsam betrachtet werden – nicht isoliert, sondern als Gesamtstrategie für unsere Stadt.
Chancen erkennen, bevor sie sichtbar werden
Große Veränderungen lösen häufig Unsicherheit aus. Das ist verständlich.
Doch jede Veränderung birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Manche dieser Chancen erkennen wir heute möglicherweise noch gar nicht. Vielleicht entstehen neue kulturelle Angebote. Vielleicht ergeben sich neue Möglichkeiten für die Innenstadt oder andere Stadtquartiere. Vielleicht können neue Veranstaltungsformate entwickelt werden, die heute noch gar nicht denkbar erscheinen. Gerade deshalb sollten wir den Blick nicht ausschließlich auf mögliche Risiken richten. Wer Zukunft gestalten möchte, muss auch bereit sein, neue Perspektiven zuzulassen. Das bedeutet nicht, unkritisch zu sein. Es bedeutet vielmehr, Chancen und Risiken gleichermaßen ernst zu nehmen und sorgfältig gegeneinander abzuwägen.
Verantwortung für kommende Generationen
Diese Entscheidung wird Solingen über viele Jahrzehnte prägen. Die Menschen, die in zwanzig oder dreißig Jahren in unserer Stadt leben, werden mit den Folgen unserer heutigen Entscheidungen arbeiten, leben und Kultur erleben. Deshalb sehen wir uns in der Verantwortung, heute nicht die einfachste oder lauteste Lösung zu wählen, sondern die nachhaltigste. Wir möchten eine Entscheidung treffen, die auch in vielen Jahren noch als verantwortungsvoll angesehen wird – finanziell ebenso wie kulturell.
Unser gemeinsames Fazit
Die Bürgergemeinschaft für Solingen wird den weiteren Prozess konstruktiv begleiten.
Wir werben weder für einen Neubau noch für eine Sanierung. Wir werben für einen fairen, transparenten und ergebnisoffenen Entscheidungsprozess. Eine Entscheidung dieser Tragweite darf weder aus Gewohnheit noch aus kurzfristigen Überlegungen getroffen werden. Sie braucht belastbare Fakten, nachvollziehbare Bewertungen und den Mut, Chancen ebenso ernst zu nehmen wie Risiken.
Unser Ziel ist eine Lösung, die langfristig tragfähig ist – finanziell, kulturell und städtebaulich. Denn diese Entscheidung wird nicht nur unsere Generation prägen, sondern auch die unserer Kinder und Enkel.

Patrick Hinck
Finanzpolitischer Sprecher Bürgergemeinschaft für Solingen

Andreas Mokros
Kulturpolitischer Sprecher Bürgergemeinschaft für Solingen


